Wie wird Schokolade fair?

Faire Schokolade

Sie wird süße Sünde genannt, aber das bezieht sich nicht nur auf ihre Wirkung auf die Hüfte. Schokolade macht Probleme! Und da wir sie in rauen Mengen futtern, sind diese Probleme alles andere als klein. Knapp 10 Kilo isst jeder Deutsche jährlich. Und ja, da kann ich vermutlich auch mithalten. Dabei entspricht das nicht meinem Grundsatz, möglichst regional einzukaufen. Außerdem möchte ich durch meinen Konsum eigentlich keine Probleme woanders auf der Welt verursachen. Doch wie bekommen wir faire Schokolade?

Schlecht für die Hüfte, schlecht fürs Klima

Die Elfenbeinküste, Madagaskar, Indonesien, Chile – auch auf der vollständigen Liste der Kakao-Anbaugebiete findet sich kein Land, das für uns quasi um die Ecke liegt. Die Schokolade im Supermarkt hat, zumindest in ihren Einzelteilen, immer einen längeren Weg hinter sich. In Summe macht das ca. 3,5 Kilo CO2-Äquivalente für ein Kilo Schokolade. Zum Vergleich verursacht ein Kilo Äpfel rund 0,5 Kilo CO2-Äquivalente.

Wenn beim Anbau nichts mehr übrig bleibt

Wer das „Who is Who“ des Produktions-Gruselkabinetts sehen will, schaut sich den Kakao-Anbau an: Rodung von Regenwald, Kinderarbeit und keine existenzsichernden Preise für die Bauern. Durch den seit Jahren bestehenden Preisdruck auf den Markt blieben ökologische und soziale Aspekte schnell auf der Strecke. Man mag darüber streiten, ob hier die Verbraucher oder die Produzenten die Macht über den Preis haben. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Gesellschaft durchaus dazu bereit ist, einen höheren Preis zu bezahlen, wenn sie weiß, was sie dadurch ermöglicht.

Schokolade mit Fairtrade- und GEPA-Siegel
Nicht jedes Siegel ist gleich streng

Und was nun? Gänzlich auf Schokolade zu verzichten wäre natürlich die beste Variante, aber das will ich nicht. Also müssen faire Alternativen her. Einige Auszeichnungen auf der Verpackung scheinen da die Rettung zu sein. Doch so einfach ist das nicht. Die Kriterien für manche Siegel sind eher lasch und auch Fairtrade-Tafeln bestehen nicht zwingend zu 100% aus fair gehandelter Schokolade. Das ist aber keine Ausrede zu sagen: „Dann ist ja egal, was ich kaufe.“ Ganz im Gegenteil! Lieber eine nur teilweise fair produzierte Tafel, als ein gänzlich unethisches Produkt. Und nur, wenn immer mehr Menschen bereit sind, einen angemessenen Preis zu zahlen, können langfristig mehr Bauern existenzsichernd bezahlt und die Natur geschützt werden.

Wenn ihr einen schnellen Überblick über die bekannten Zertifizierungen sucht, ist dieser Artikel von Utopia eine gute Quelle. Knapp zusammengefasst: Empfehlenswert sind auf jeden Fall das bekannte Fairtrade- und das noch strengere GEPA-Siegel. Es gibt darüber hinaus Hersteller mit sehr guten Standards, die nicht „offiziell“ zertifiziert sind, z.B. Rapunzel Hand in Hand. Produkte, die „UTZ Certified“ sind, erfüllen nur geringfügige Voraussetzungen und sind nicht wirklich als fair zu bezeichnen. Im Endeffekt sind sie aber besser, als welche ohne Siegel.

Nicht nur der Blick auf die Tafel zählt

Was für die fertige Tafel Schokolade gilt, gilt natürlich auch für die anderen Variationen im Handel. Kakaopulver zum Backen, Trinkschokolade, süße Teilchen, Kekse… Alles, wozu der Rohstoff Kakao verarbeitet werden kann, sollte aus fair gehandelten Bohnen gemacht sein.

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass es die ideale Alternative beim Schokoladenkauf nicht gibt. Umso wichtiger ist, dass ihr die wenigen Ansatzpunkte nutzt, um den eigenen Konsum nachhaltig zu gestalten.

Daher solltet ihr beim Schokoladenkauf zweimal hinschauen:
  1. Für die Bauern: Nur existenzsichernde Preise für die Rohstoffe können die Lebensbedingungen der Bauern verbessern. So besteht auch kein Bedarf an billiger Kinderarbeit.
  2. Für die Umwelt: Angemessene Preise ermöglichen naturschützende Anbaumethoden, durch die weniger Boden ausgelaugt wird. Dadurch kann auch weiteres Abholzen von Regenwald verhindert werden.
  3. Für mehr Fairtrade: Mehr Nachfrage nach Fairtrade-Schokolade erhöht Druck auf den Markt immer größere Teile der Produktion auf faire Rahmenbedingungen umzustellen.
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