Ein Hochbett mit Treppe fürs Kinderzimmer: unser DIY-Umbau

Manchmal passen Möbel einfach nicht (mehr) ins Leben. Das kann ein Grund sein, sie weiterziehen zu lassen. Oder aber, sie dem Leben anzupassen. Mit unserem Esstisch haben wir ein Möbelstück aufgearbeitet, das uns schon lange begleitet. Dieses Mal war es eines, bei dem wir kein auf unsere Bedürfnisse passendes Modell gefunden haben: ein Hochbett fürs Kinderzimmer. Mit einer Mischung aus Umbau und DIY-Treppe kamen wir dann aber doch ans Ziel.

Warum denn eigentlich ein Hochbett fürs Kinderzimmer?

Zuerst einmal die Frage, warum wir nicht einfach ein normales Bett gekauft haben. Wir mögen unsere aktuelle Wohnung sehr, doch ist das Kinderzimmer nicht allzu groß. Das muss es auch nicht sein. Im Wohnzimmer haben wir noch viel Platz zum Spielen. Außerdem müssen kleine Räume nicht einengend sein, wenn sie gut geplant sind. Die Idee von cleveren, kleinen Räumen fasziniert uns sehr und wir haben uns für das Kinderzimmer gut überlegt, wie der Raum die nächsten Jahre mitwachsen kann. Ein Hochbett ist dabei in unseren Augen eine tolle Lösung, um den Platz auszunutzen. Gleichzeitig sind wir damit flexibel, wenn sich die Bedürfnisse des Großen ändern und / oder das Baby einzieht.

So sah das Hochbett vorher aus. Nicht gut für ein Kinderzimmer.

Bett ist nicht gleich Bett!

Nachdem die Raumplanung konkreter wurde, machten wir uns auf die Suche nach dem perfekten Bett. Ich hatte dafür die Kleinanzeigen im Blick, doch viele Exemplare kamen nicht in Frage. Das „Hoch“ in Hochbett ist doch recht variabel. Meist reicht es wenigstens, um darunter eine Kuschelhöhle zu machen. Doch ein zweites Bett oder gar ein Schreibtisch passt da nicht drunter. Dann kam aber eine Anzeige rein für ein Hochbett, dessen oberes Bett mit rund 1,40 m angenehm hoch ist und auch noch separat aufgestellt werden kann. Gut also für die Zeit, wenn das in die Höhe stapeln nicht mehr notwendig ist. Günstig war es noch dazu.

Ein paar Mankos gab es aber. Eher zweitrangig waren die 90er-Jahre-Optik und die Gebrauchsspuren. Die Holzfarbe passt nicht so ganz in die Wohnung, was jetzt aber auch nicht dramatisch gewesen wäre. Nicht auf dem Bild oben zu sehen: Der „Rausfallschutz“ war selbst für ein größeres Kind eher mickrig und damit hätten wir vermutlich vor Angst, dass das Kind rausrollt, nicht ruhig schlafen können. Und zuletzt war die Leiter recht steil für ein Kleinkind.

Kleinere Gebrauchsspuren auf dem alten Kopfteil.

Aufhübschen und kindersicher machen

Das Projekt hatte zwei Phasen. Als erstes machten wir uns ans eigentliche Bett. Die Farbe und den ein oder anderen Schrammen konnten wir in einem Rutsch ausbessern. Dafür schliffen wir alles einmal ab und lasierten es mit einer ökologischen Holzfarbe weiß. Den Rausfallschutz ersetzten wir komplett, denn der Aufwand ihn zu erweitern wäre zu groß gewesen. Nach etwas Brainstorming entschlossen wir uns dafür, auch das Kopfteil loszuwerden und stattdessen eine Sicherung rundherum zu bauen. Dafür schraubten wir einfache Latten aus dem Baumarkt zusammen und befestigten sie am Bett und der Wand. Online fanden wir einen Shop, der Sicherheitsnetze in Wunschdicke und -größe herstellt. Die sind überraschenderweise gar nicht so teuer, Öko-Tex zertifiziert und sehr stabil. Mit kleinen Haken, sog. Krampen, haben wir die Netze direkt am Holz befestigt.

Der neue Rausfallschutz: das Netz ist mit Krampen festgemacht.

Ein sicherer und praktischer Weg nach oben

Es folgte die zweite Phase. Dieses Mal ein Neubau. Da uns die Leiter zu unsicher war, suchten wir nach einer Alternative. Die meisten fertigen Leitern oder Treppen passten nicht oder nahmen zu viel Platz weg. Also entschieden wir uns dafür selbst eine Treppe zu bauen. Und da wir schon dabei waren, planten wir sie gleich so, dass sie auch noch Stauraum bietet. Passgenau für das Zimmer entstand dann aus stabilen Multiplex-Holzplatten dieses kleine Schmuckstück. Es ist das komplexteste Projekt, das wir bisher gebaut haben und entsprechend sind wir ein bisschen stolz darauf! Die Stufen sind für ein Kleinkind gut machbar, von der Seite können Bücher und Spielsachen verstaut werden und oben gibt es noch als Gimmick ein kleines Geheimfach für Schätze. Da die Treppe zwischen Bett und Wand steht, brauchen wir kein Geländer.

Dank der DIY-Treppe ist das Hochbett gut und sicher erreichbar und hat gleichzeitig Stauraum.

So wächst das Hochbett im Kinderzimmer mit

Das Endergebnis sieht nicht nur, wie wir finden, gut aus, sondern ist auch wirklich praktisch geworden. Wir haben nun einige Nutzungsmöglichkeiten:

  • Unten schlafen, oben zurückziehen: Entweder mit einer Matratze auf dem Boden oder dem Babybett kann problemlos unten ein fester Schlafplatz eingerichtet werden. Oben kann zur Kuschelecke werden.
  • Oben schlafen, unten spielen: Das obere Bett in der eigentlichen Nutzung als Schlafplatz. Hierfür müssten wir noch den Rausfallschutz am Fußende erweitern. Das werden wir vermutlich mit einem Brett machen, dass einfach entfernt werden kann (damit wir Eltern gut rein und raus kommen). Unten sind wir durch die Höhe sehr flexibel: Leseecke, Spielbereich, Bastelplatz, Schreibtisch… was gerade interessant ist.
  • Oben und unten schlafen: Wollen irgendwann mal beide Kinder im Zimmer schlafen, richten wir oben und unten einen festen Schlafplatz ein.
  • In Einzelteilen: Ist später das Hochbett mal out oder nicht mehr notwendig, können wir das obere Bett (mit oder ohne Rausfallschutz) abmontieren und auf dem Boden stellen. Die Treppe kann als Regal weitergenutzt werden.
Nach dem Hochbett-Umbau ist das Kinderzimmer richtig gemütlich.

Wir sind zufrieden mit dem Hochbett-Umbau

Besonders durch die DIY-Treppe ist das unser bisher größtes Möbelprojekt geworden und auch dieses Mal kamen wir gut ohne eigene Werkstatt durch. Abschleifen und lasieren kostet Zeit und auch eine Treppe von Grund auf selbst zu planen ist ohne Erfahrung mal nicht eben so gemacht. Das Endergebnis gefällt uns aber sehr gut, ist praktisch und daher für uns den Aufwand allemal wert. Wie lange wir genau gebraucht haben, kann ich nicht sagen. Wir haben die Arbeit in kleinen Häppchen über mehrere Wochenenden verteilt. Das Kinderzimmer ist durch das Hochbett flexibler geworden und kann so ein paar Jahre mitwachsen.

Was die Nachhaltigkeit angeht, ist es natürlich etwas zweigeteilt. Einerseits musste kein neues Bett für uns produziert werden, die Emissionen und Ressourcen für die Produktion sind bereits abgehakt. Andererseits ist auch viel neues Holz in das Projekt eingeflossen. Durch die Flexibilität können wir aber beide Teile – Bett und Treppe – viele Jahre nutzen und danach vielleicht sogar noch einmal weitergeben. Und wie ich hier schon so oft erwähnt habe, ist die Nutzungsdauer bei der Ökobilanz nicht zu vernachlässigen. Am Ende also nicht die schlechteste Lösung.

Seid ihr auch so fasziniert von clever eingerichteten kleinen Räumen bzw. Wohnungen?

Nachhaltige Erstausstattung für Babys

So langsam, aber sicher beginnen für uns die Vorbereitungen für unser zweites Kind. Und während ich darüber nachdenke, was wir schon alles haben und was wir noch brauchen, erinnere ich mich oft zurück, wie das alles beim ersten Mal war. Denn wie viele Erstlingseltern hatten wir wenig bis nichts davon, was das kleine Wesen in der ersten Zeit braucht. Wie ihr euch schon denken könnt, war die Fahrt ins Fachgeschäft und ein entsprechender Großeinkauf für uns keine Option. Nicht unsere Vorstellung von einem umweltfreundlichen Lebensstil… Wie es uns trotzdem gelang, eine nachhaltige Erstausstattung zusammenzustellen, fasse ich hier einmal zusammen.

Was braucht es denn nun wirklich?

Wenn ihr hier auf meinem Beitrag über irgendeine Suche gelandet seid, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr mindestens eine andere Seite besucht habt, die euch DIE ultimative Erstlingsausstattungsliste versprochen hat. Und vielleicht seid ihr da auch genauso schnell wie ich damals wieder runter, denn SO VIEL ZEUG kann ein Baby unmöglich brauchen. Und damit habt ihr mit Sicherheit recht. Denn viele dieser Listen sind überladen mit irgendwelchen Dingen, von denen irgendwann mal jemand dachte, dass Eltern es kaufen (aber nicht zwingend brauchen). Und nun?

Jetzt erstmal Schwangerschaftshormone still schalten, den „ist das putzig“-Faktor ignorieren und nachdenken. Was ist das Mindeste, was ein Baby nach der Geburt braucht? Neben Kleidung und je einem Platz zum Schlafen und Wickeln werdet ihr vermutlich nicht allzu viel mehr nennen. Ich mache euch hier bewusst keine genaue Liste für eine nachhaltige Erstausstattung. Denn wenn ich alle Eventualitäten abdecken will, wäre auch diese wieder viel zu lang. Einiges hängt schlichtweg von euren Umständen ab. Ein im Sommer geborenes Baby braucht erstmal keinen Winteranzug. Wisst ihr vor der Geburt bereits, dass ihr nicht stillen könnt oder wollt, solltet ihr eine kleine Ausstattung für Flaschennahrung bereithalten. Ein einzelnes Baby wird sicherlich zu schnell wachsen, als dass ihr ihm 20 Bodys mehrmals anziehen können werdet. Bei Zwillingen sieht das wieder ganz anders aus.

Gebraucht, aber gut in Schuss: Unsere Stoffwindeln aus der Erstausstattung für unser erstes Baby.

Denkt nicht nur kurzfristig

Bei einer nachhaltigen Erstausstattung sollte es grundsätzlich erstmal darum gehen, was ihr direkt nach der Geburt braucht. Trotzdem lohnt es sich ein wenig die Zukunft im Blick zu haben. Damit meine ich jetzt nicht, dass ihr gleich Klamotten für das erste Jahr besorgen müsst. Ihr wisst schließlich nicht, wie schnell euer Würmchen wächst. Aber manches lässt sich schon grob vorhersagen. So haben wir beispielsweise nicht das typische Beistellbettchen gekauft, weil Babys aus diesem nach ein paar Monaten schon raus wachsen. Stattdessen haben wir gleich ein größeres Gitterbett gekauft, das wir an unser Bett stellen können. Darin schläft der Sohnemann bis heute. Genauso mitwachsend sind unsere Trage, die Stoffwindeln oder der Kinderstuhl. Wobei letzteres nicht wirklich zur Erstausstattung gehören muss.

Ist wirklich gar nichts da?

Wenn ich eines die letzten Jahre gelernt habe, dann dass der Austausch mit anderen das A & O ist. Für eine nachhaltige Erstausstattung und auch noch darüber hinaus. Denn wenig überraschend seid ihr nicht die ersten Eltern auf der Welt. Die Chance, dass ihr ganz vieles von dem, was ihr braucht, schon um euch herum habt, ist groß. So haben wir zuerst bei den Großeltern nachgefragt, was noch von uns in Keller und Speicher schlummert. Und auch im Freundeskreis fand sich einiges, sodass wir am Ende gar nicht so viel besorgen mussten.

Nicht alles muss gekauft sein

Die Sharing-Community wächst in den letzten Jahren stetig. Und doch ist der Gedanke, dass man gewisse Sachen besitzen muss, noch tief in unseren Köpfen verankert. Gerade bei der Erstausstattung ist es fraglich, ob wir die Dinge, die wir teilweise nur wenige Wochen in Gebrauch haben, wirklich unser Eigen nennen müssen. Egal, ob ihr euch mit Freunden zusammentut und euch gegenseitig Sachen leiht oder ob ihr auf einen professionellen Leihservice zurückgreift. Ihr werdet selten bis nie denken: Das brauchen wir nicht mehr, aber ich will es trotzdem behalten. Wir hatten einen Großteil der Kleidung von Freunden geliehen. Und ich fand es (in unserer damals noch deutlich kleineren Wohnung) immer wieder befreiend, die aussortierten Stücke wieder zurückgeben zu können. Das ist dieses Mal nicht (viel) anders.

Wächst das Bett ein paar Jahre mit, muss nur ein Babybett angeschafft werden.

Second Hand

Eine Handvoll Dinge blieben bei uns am Ende noch übrig, die wir nicht aus unserer direkten Umgebung bekommen konnten. Beispielsweise das oben erwähnte Babybett. Nachdem uns hier klar war, was für ein Bett wir wollen, haben wir bei ebay Kleinanzeigen geschaut und dort ein passendes und günstiges Modell gefunden. Gerade bei der Erstausstattung kriegt ihr oft neuwertige Sachen. Denn die Kleinsten wachsen gerne mal schneller raus, als uns Erwachsenen lieb ist. Spezielle Kinderflohmärkte sind, wenn auch nur selten für Möbel, auch eine tolle Fundgrube. Da habt ihr im Gegensatz zu normalen Flohmärkten eine konzentriertere Auswahl. Diese werden oft von Kindergärten oder Schulen organisiert.

Ökologische Shops sind kaum noch eine Nische

Natürlich kann es immer mal etwas geben, dass ihr weder von Freunden noch Second Hand besorgen könnt. In den meisten Städten und sicherlich einigen ländlichen Regionen sind die Kleinanzeigen voll mit Kindersachen. Aber selbst das garantiert nicht, dass in den paar Monaten, in denen ihr die Sachen zusammentragt, wirklich alles passend für eure Bedürfnisse verfügbar ist. Es wäre natürlich schön, wenn wir uns alle ökologisch und fair hergestellte Babysachen leisten könnten. Könnt ihr das, dann findet ihr in zahlreichen (Online-)Shops wunderschöne Stücke, mit denen ihr eure nachhaltige Erstausstattung vervollständigen könnt. Ansonsten konntet ihr durch die Punkte oben hoffentlich genug sparen, dass ihr den Rest in einer ordentlichen Qualität kaufen könnt. So könnt ihr die Sachen später besser wieder weiterverkaufen. Und jedes weitere Baby, das es nutzt, macht das Produkt ein Stück nachhaltiger.

Nachhaltige Erstausstattung im Bad: Babywanne, Moltontücher für auf den Wickeltisch, Stoffwindeln

Eine nachhaltige Erstausstattung ist minimalistisch, aber flexibel

Am Ende zeigt sich erst nach der Geburt, wie genügsam euer Baby wirklich ist. Wer – wie ich als Baby – gefühlt die Hälfte von jeder Mahlzeit wieder ausspuckt, braucht sicherlich mehr Kleidung als das Durchschnittsbaby. Aber es wird selten bis nie vorkommen, dass ihr von jetzt auf gleich eine (größere) Anschaffung tätigen müsst, bei der es auf jede Minute ankommt. Merkt ihr, dass euch doch noch etwas fehlt, dann kauft es nach. So schafft ihr bestenfalls nichts auf Verdacht an, dass am Ende nur herum liegt. Ist euch das trotzdem noch etwas zu unkonkret, dann schaut doch mal bei Isabelle aka Dinkelmama durch. Ihre Liste ist angenehm kurz und minimalistisch (und für Flaschenkinder geeignet).

Und ganz wichtig: flexibel bleiben! Das umfasst sowohl, dass ihr Stücke anschafft, die ihr bestenfalls für eure Bedürfnisse anpassen könnt. Aber auch, dass ihr nicht mit eurer nachhaltigen Erstausstattung leben müsst, so wie ihr sie erstmalig angeschafft habt. Erweitert, wo es sinnvoll ist, und sortiert aus, was ihr nicht braucht. Da eure Süßen wachsen und (andere) Interessen entwickeln, seid ihr nun gefühlt sowieso ständig dabei, nach Neuem zu schauen. So und jetzt bin ich ganz gespannt: was war das Unsinnigste, was ihr je auf einer Babyliste gesehen oder sogar selbst gekauft habt?

3 Upcycling-Ideen für alte Bettwäsche

Einer der Grundsätze für einen umweltfreundlichen Lebensstil ist es, Dinge möglichst lange zu nutzen. Und während manches am Ende der Lebensdauer auch im nachhaltigsten Haushalt irgendwann im Abfall landet, kann anderem neues Leben eingehaucht werden. Das nennt man Upcycling und eure alte Bettwäsche eignet sich dafür wunderbar. Drei schöne und einfache Projekte bei denen ihr diese verwerten könnt möchte ich euch heute vorstellen.

Als ich vor ein paar Jahren richtig angefangen habe zu nähen, hatte ich zwar große Lust darauf, tolle Sachen zu machen. Aber auch ordentlich Respekt davor. Denn mal ehrlich – in einem krummen und schiefen T-Shirt auf die Straße, nur weil ich es selbst genäht habe, wollte ich nun auch nicht. Also erstmal üben! Für mich persönlich macht es aber wenig Sinn dafür irgendwas zu nähen, das ich eigentlich nicht brauche. Wenn euch das genauso geht, dann werdet ihr in diesem Beitrag bestimmt fündig. Sofern ihr wisst, wie ihr mit eurer Nähmaschine eine gerade Linie näht, seid ihr bereits bestens gerüstet.

1. Feuchttücher für Babys

Wer hier schon ein paar Monate mitließt weiß, dass ich die Feuchttücher für unseren Sohnemann selbst gemacht habe. Neben einem alten Handtuch und einem aussortieren T-Shirt, habe ich auch ein paar Lappen aus ehemaliger Bettwäsche gemacht. Das ging recht fix, denn außer Quadrate abmessen und ausschneiden musste ich nur die Ränder versäumen. Zum Üben haben ich das mit einem „richtigen“ Saum (also 2x umgeschlagen und festgesteppt) gemacht. Einmal mit einem Zickzack-Stich drum herum hätte aber vermutlich auch ausgereicht.

Putzlappen aus alter Bettwäsche

2. Geschirrspül- und Putzlappen

Ein wenig – aber wirklich nur ein wenig – anspruchsvoller ist das Nähen von Lappen zum Geschirrspülen oder Putzen. Dafür braucht ihr zusätzlich noch ein altes Handtuch. Eine schöne Anleitung dazu findet ihr auf dem Blog von Nic. Auch die Putzlappen sind für Nähanfänger gut geeignet, denn die größte Herausforderung besteht eigentlich darin, die Wendeöffnung nicht zu klein zu machen. Sonst wird das eine fummelige Angelegenheit. Fragt nicht, woher ich das weiß… Damit ihr aber nicht länger näht als damit putzt hier noch ein Rat. Sind die Stoffe schon arg durchgescheuert, werden sie das Schrubben von Töpfen nicht lange überleben. Bei meinem ersten Versuch habe ich nicht so sehr darauf geachtet und nach kurzer waren große Löcher im Stoff. Bei sehr alten und abgenutzten Bettlaken also eine wenig beanspruchte Stelle nehmen oder sie anderweitig verwerten.

3. Kochschürzen und Malerkittel

Viele Upcycling-Ideen für (alte) Stoffreste, die man so findet, sind eher kleinteilig. Aber so eine schön große Bettwäsche schreit ja förmlich danach, etwas Größeres als ein Täschchen zu werden. Auch wenn ihr aus euren Laken bereits eine Handvoll Lappen genäht habt, werdet ihr sicherlich noch genügend Stoff übrighaben, um eine oder sogar mehrere Schürzen zu nähen. Je nachdem wie gut ihr nähen könnt, findet ihr mal mehr, mal weniger komplizierte Schnittmuster und Anleitungen online, viele sogar kostenlos. Für meine musste ich lediglich gerade Linien nähen, also kaum komplizierter als die Feuchttücher. Demnächst werde ich dann noch einen Malerkittel für unseren kleinen Nachwuchskünstler machen. Damit wenigstens die Kleidung bei unseren Malaktionen mal sauber(er) bleibt… 😉

Alte Bettwäsche ist perfekt geeignet, um eine Schürze zu nähen.

Und was ist mit richtig alten Bettlaken?

Auch das schönste und einfachste Upcycling ist nur so semi nachhaltig, wenn Zeit und Energie rein fließen und das Genähte dann ruckzuck kaputt geht. Wie bei den Geschirrspüllappen erwähnt ging mir das bereits so. Das ist ärgerlich und unnötig. Aber tatsächlich war die Bettwäsche schon so lange in Gebrauch, dass der Stoff an verschiedenen Stellen durchgescheuert und zerschlissen war. Mehr als Zeit also, dass sie aussortiert wurde. Diese Stellen sind für ein Upcycling leider nicht mehr zu gebrauchen.

Trotzdem müsst ihr die Teile deswegen nicht gleich wegschmeißen. Für alles, was mit öligen, schmierigen Teilen zu tun hat (Fahrrad fit machen, ein Möbelstück ölen,…), sind sie noch wunderbar geeignet. Wo wir früher zu einem Stück Küchenrolle gegriffen haben, weil ein „normaler“ Putzlappen nicht mehr sauber geworden wäre, greifen wir zu den sonst unbrauchbaren Stoffen. Da lohnt sich auch kein Säumen, die schneiden oder reißen wir einfach klein.

Auch als blutige Anfänger könnt ihr schöne und nützliche Sachen nähen. Und eure alte Bettwäsche ist für ein Upcycling ein toller Ausgangspunkt. Durch die Größe lassen sich viele kleine und sogar etwas größere Sachen machen. Und das Material ist nicht so zickig wie manch andere Stoffe. Ja, ich schau dich an, du dich ständig einrollender Jersey 😉 Und je Also Schere und Nähmaschine ausgepackt und los geht’s!

Darum hat eure alte Bettwäsche ein Upcycling verdient:

  1. Lebensdauer verlängern: In jedem Set steckt eine Menge Energie, Wasser und Arbeit für die Produktion. Durch das Upcycling werden diese Ressourcen über einen noch längeren Zeitraum genutzt.
  2. Müll vermeiden: Küchentücher und Kunststofflappen, die nach ein paar Mal gebraucht bröselig und eklig sind, werden überflüssig.
  3. (Neue) Skills für nachhaltigen Leben: Wer zumindest ein bisschen nähen kann, eröffnet sich ganz neue Wege, den Alltag nachhaltiger zu gestalten. Mit diesen Projekten könnt ihr üben.

Ein Jahr Wickeln mit Stoffwindeln – ein Erfahrungsbericht

Zum ersten Geburtstag unseres kleinen Mannes habe ich euch im letzten Beitrag unsere Erstausstattung für die Babypflege gezeigt. Ein paar Wochen und einen Umzug später kommt nun endlich auch das zweite Baby-Fazit. Dieses Mal geht es um unsere Erfahrungen nach einem Jahr Wickeln mit Stoffwindeln. Inzwischen sind doch einige Wochen seit seinem Geburtstag ins Land gegangen, daher kann ich jetzt auch wirklich von einem Jahr sprechen. Denn wir sind nicht von Anfang an mit den Stoffies, wie sie viele liebevoll nennen, eingestiegen. Aber dazu später mehr. Wir haben inzwischen auf jeden Fall ausreichend Geschäftchen versorgt, um die wichtigsten Erkenntnisse und Tipps mit euch zu teilen.

Da ich hier nicht auf alle Details vom Wickeln mit Stoffwindeln eingehen kann, möchte ich euch erst einmal etwas Lesestoff empfehlen. Für so ziemlich jede Frage, die euch kommen kann, findet ihr im Windelwissen-Blog von Julia eine Antwort. Praktisch sind ihre Beiträge zu den verschiedenen Altern/Situationen, denn nicht jeder steigt ja direkt nach der Geburt ein.

Welcome to the System-Jungle

All-in-one, Pocketwindeln, Prefolds – wer sich für das Wickeln mit Stoffwindeln entscheidet, scheint erstmal eine neue Sprache lernen zu müssen. Das sieht erstmal kompliziert aus, ist aber eine sinnvolle Vielfalt für unterschiedliche Ansprüche. Bei Windelwissen findet ihr eine tolle Übersicht über die verschiedenen Systeme. Wir haben uns gleich zwei verschiedene angeschafft und sie haben sich beide bewährt. Meist nutzen wir die Kombination aus einer wasserdichten Überhose und Mullwindeln. Unsere Überhosen sind genaugenommen Pocketwindeln, in die man die Einlage einschieben kann, aber wir legen sie einfach oben drauf. Die Mullwindeln, die ihr vielleicht als Spucktuch kennt, sind toll, weil man sie mit dem Kind mitwachsend flexibel falten kann. Für alle, die jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Mit den Windeltüchern putzen wir dem Kleinen später nicht das Gesicht ab. Wir haben zwei gut unterscheidbare Stapel für die zwei Zwecke ;-).

Mitwachsende Pocketwindel-Überhose und All-in-One-Windel im Vergleich

Während diese Kombi auch immer noch unser Standard ist, hat sich das zweite Set inzwischen doch nicht als Fehlkauf herausgestellt. Das ist eine All-in-One-Windel, bei der die Einlage (aus Bambusfasern) mit Druckknöpfen in der Überhose befestigt wird. Wie bei den Pocketwindeln haben wir auch hier mitwachsende Modelle gekauft. D.h., dass die Überhose durch Druckknöpfe verkleinert werden kann. Für unseren schmalen Knirps waren uns die Windeln aber am Anfang zu wulstig und sie hielten an den dünnen Beinchen nicht immer dicht. Da wir aber keinen anderen Hersteller ausprobieren wollten, blieben sie erstmal im Schrank. Seit wir sie komplett offen nutzen können, greife ich aber immer öfter danach. Durch die fixe Einlage und die Klettverschlüsse sind sie nämlich auch dann schnell angezogen, wenn der kleine Mann keine Zeit zum Wickeln hat.

Wie viel Waschgänge dürfen es sein?

Zur nächsten Frage: Wie viele Windeln braucht ihr? Eine Orientierung dafür findet ihr auch bei Windelwissen. Welche Menge für euch passt, hängt davon ab, wie oft ihr waschen wollt und könnt. Und davon, wie viel zusätzliche Wäsche ihr habt, um die Maschine aufzufüllen und ressourcenschonend zu waschen. Es gibt zwei „Extreme“. Entweder ihr kauft gerade so viele, dass ihr jeden zweiten, maximal dritten Tag waschen müsst. Das setzt voraus, dass ihr genügend dreckige Handtücher etc. als „Füllmaterial“ habt. Denn mit dem meisten Systemen sollte eine durchschnittliche Waschmaschine mit der Menge von zwei Tagen noch nicht voll sein. Dafür könnt ihr dann alle Windeln direkt vom Popo in ein Behältnis werfen. Bis es Zeit ist alles in die Maschine zu kippen, stinkt es nicht (zu arg). Je länger nasser Urin sich zersetzen kann, umso mehr stinkender Ammoniak entsteht.

Alternativ könnt ihr den Weg gehen, der für uns sehr gut funktioniert. Wir sind mit Einlagen für 4-5 Tage versorgt. Damit unser Bad aber nicht durchgängig nach altem Pipi riecht, hängen wir die benutzten Windeln zum Trocknen auf und stecken sie dann in einen Wetbag. Mit Einführung der Beikost duftet das, was davon hinten rauskommt, natürlich auch bei uns nicht nach Rosen. Daher ist es ganz gut, dass der Wetbag geruchsdicht ist. Egal, wie oft ihr waschen wollt, lässt sich das nämlich nicht verhindern. Da zumindest machen Stoffies oder Wegwerfwindeln keinen Unterschied.

Stoffwindeln mit Mulltuch als Einlage

Alter und Schönheit schließen sich nicht aus

Anders als bei Wegwerfwindeln kauft ihr Stoffwindeln in der Regel nur einmal und dann gleich alle, die ihr bis zum Ende der Wickelzeit braucht. Entsprechend sind es eben nicht mal ein paar Euro hier, ein paar Euro da, sondern gleich ein Batzen auf einmal. Und je nach Menge und Hersteller könnt ihr auch ordentlich in die Tasche greifen. Rechnet man hoch, was all die Wegwerfwindeln am Ende kosten, seid ihr aber schnell wieder im Plus. Nichtsdestotrotz ist der Preis eines der Argumente dafür, die Augen nach gebrauchten Stoffwindeln offen zu halten. Wir haben unsere beiden Sets günstig als Komplettpakete online gefunden. Sowohl Mamikreisel als auch ebay Kleinanzeigen sind voll davon und die Auswahl an Marken und Mustern ist riesig.

Neben dem Preis spricht beim Wickeln mit Stoffwindeln auch die Umweltbilanz für Second Hand. Wie ich schon in meinem Beitrag zu Stofftaschentüchern festgestellt habe, ist entscheidend, dass keine neuen Ressourcen gebraucht werden und, dass die Nutzungsdauer verlängert wird. Leider sind die Studien zu dem Thema, wie ihr bei der Windelmanufaktur nachlesen könnt, veraltet. Als grober Richtwert taugen sie dennoch. Selbst mit deren Datenlage kann man sagen, dass Stoffwindeln umweltfreundlicher sind, wenn mindestens 2 Kinder damit gewickelt werden. Und das halten sie auch locker aus. Unsere Pocketwindeln, die neu eher so zu den Billigheimern gehören, wurden vor unserem Kleinen von mindestens einem anderen Kind getragen und zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen.

Wickeln mit Stoffwindeln ist flexibel und wächst mit

Gerade im ersten Jahr verändern sich das Kind und dessen Ausscheidungsverhalten immer wieder. Hier punktet die Flexibilität der Kombi Mullwindeln und Überhosen. Am Anfang haben wir die Mullwindel noch so gefaltet, dass sie möglichst gut am Kind sitzt (Dreieck mit Steg). Da bei unserem Spargeltarzan die abdichtenden Speckröllchen fehlten, ersparte uns das die ein oder andere ausgelaufene Windel. Später, als er das Pipi länger halten konnte und entsprechend mehr auf einmal rauskam, bewährte sich eine Faltung mit mehr Lagen vorne (siehe F wie falten). Die ist gleichzeitig schneller anzulegen, ein weiteres Plus bei unserem aktiven Kind.

Was bei uns überhaupt keine Verwendung findet, ist Windelvlies. Die „Auffangtücher“ fürs große Geschäft, die danach in den Müll geworfen werden, sind für viele unabdingbar. Da der Muttermilchstuhl fürs Waschen nicht entfernt werden muss, wollte ich erstmal die Beikost abwarten. Als die kam zeigte sich, dass das Kaka nach wie vor für uns ein mehrmals tägliches Vergnügen bleibt. Wir müssten also fast durchgängig Windelvlies benutzen und nur für Pipi ist mir das zu schade. Daher kratzen wir das Häufchen schnell mit einem alten, sonst ungenutzten Plastiklöffel ins Klo. Hätten wir ein „Einmal-die-Woche-Kind“ wäre das vielleicht anders.

All-in-One Stoffwindeln mit Einlage aus Bambusfasern

Stoffwindeln sind angenehm – auch für das Kind

Grundsätzlich sind Stoffies atmungsaktiver, da sie je nach Hersteller einen geringen oder gar keinen Kunststoffanteil haben. Dadurch gibt es seltener einen gereizten oder entzündeten Windelbereich. Wir hatten selten einen richtig roten Popo und wenn, dann in der Regel gut zuordenbar. Die meisten Reizungen kamen erst die letzten Monate bedingt durchs Essen und wären unabhängig vom Windelsystem aufgetaucht. Was bei Stoffies fehlt, ist das trockene Gefühl, nachdem etwas rein gemacht wurde. Gerade bei den Bambuseinlagen scheint das unseren Sohn anfangs auch etwas gestört zu haben. Das finden wir Eltern aber eigentlich eine gute Sache. Denn so angenehm es für uns ist, eine volle Windel noch eine Weile dran lassen zu können, die Kleinen verlieren jedes Gefühl für ihre Ausscheidungen und wir müssen es ihnen später wieder „antrainieren“. Und mit der Zeit hat sich unser Zwerg doch soweit daran gewöhnt, sodass nicht immer sofort eine frische Windel her muss.

Aber: Macht euch nicht mehr Stress als nötig!

Zum Schluss noch der fast wichtigste Tipp von allen: Nehmt das alles nicht zu streng! Natürlich ist es schön, dass wir mit Stoffies jede Menge Müll vermeiden und Ressourcen schonen und unseren Kleinen etwas Gutes tun. Aber trotzdem ist alles nicht umsonst gewesen, wenn ab und zu doch mal eine Wegwerfwindel zum Einsatz kommt. Obwohl wir uns schon vor der Geburt mit Stoffwindeln eingedeckt hatten, haben wir, als wir unsere Erstausstattung zusammengesammelt haben, auch gleich eine Packung (Öko-)Einmalwindeln bereitgelegt. Praktische Wickelerfahrung hatten wir nämlich, wie so viele frisch gebackene Eltern, quasi nicht. Und da ein Neugeborenes sowieso schon so viele Fragen aufwirft, wollten wir uns in Sachen Wickeln keinen Stress machen. Dieses Backup in der Hinterhand zu haben, hat uns da auch echt den Druck rausgenommen und den Einstieg erleichtert.

Als der Kleine dann auf der Welt war, kam noch dazu, dass er eher schmal war – gerade an den Oberschenkeln. Ungeübt, wie wir waren, liefen uns anfangs einige Windeln aus, sodass wir uns nicht gleich an die Stoffies trauten. Nach ein paar Wochen üben stiegen wir dann tagsüber um. Da unser Wickeltisch im Bad steht und wir nachts nur ungern aufstehen wollten, blieben wir hier bei Wegwerfwindeln. Irgendwann war morgens beim Aufstehen aber immer die Windel leer oder frisch gefüllt, daher gibt es jetzt auch nachts Stoff. Wenn es hin und wieder doch geschickter ist, weil wir nicht waschen können und der Vorrat an sauberen Windeln nicht ausreicht, dann greifen wir wieder zur Variante für die Tonne. Und das ist für uns auch völlig in Ordnung.

Unsere 2 Stoffwindel-Systeme

Wie geht es für uns mit den Stoffies weiter?

Ihr habt es sicherlich gemerkt: ich bin ein echter Fan vom Wickeln mit Stoffwindeln. Nach einem Jahr stehe ich aber immer noch vor weiteren Herausforderungen. Seit der Kleine läuft, ist er noch weniger davon begeistert, eine Pause auf dem Wickeltisch einzulegen. Gleichzeitig haben wir aber auch schon angefangen das Töpfchen als Option anzubieten und hoffen, es die nächsten Monate auch als solche zu etablieren. Daher werde ich mich bald nach Möglichkeiten umsehen, ihm diesen Schritt zu erleichtern. Unsere neue Wohnung hat zudem nicht so empfindliche Böden und einen Garten hat, also bleibt die Windel erstmal öfter weg. Wenn es wieder kühler wird, werde ich vermutlich ein paar Trainer-Höschen anschaffen, um ihm das selbstständige Ausziehen zu erleichtern.

Auf jeden Fall werden uns die Stoffies noch eine Weile begleiten, daher ziehe ich hier auf dem Blog bestimmt noch ein weiteres Fazit. Spätestens dann, wenn wir windelfrei sind. Bis dahin hoffe ich, dass ich mit unseren Erfahrungen dem ein oder anderen von euch den letzten sanften Stubs für das „Ja“ zum Wickeln mit Stoffwindeln gegeben habe, den ihr noch gebraucht habt. Und ich beantworte natürlich gerne alle offenen Fragen, die euch bleiben. Schreibt mir einfach in die Kommentare 🙂

Das spricht für das Wickeln mit Stoffwindeln

  1. Zero Waste-freundlich: Selbst mit Wegwerfwindeln als Backup und optionalem Windelvlies könnt ihr jede Menge Abfall sparen.
  2. Umweltfreundlich: Die Klimabilanz von bis zum Ende der Lebensdauer genutzten Stoffies ist deutlich besser als die herkömmlicher Einmalwindeln.
  3. Hautfreundlich: Durch die bessere Atmungsaktivität ist der Windelbereich besser vor Reizungen geschützt.

Weitere Infos zum Thema:

Sanfte und nachhaltige Babypflege

Meine erste Begegnung mit der Abteilung für Babypflege im Drogeriemarkt hatte ich schon lange bevor mein Sohn überhaupt angedacht war. Da meine Kopfhaut von zu aggressivem Shampoo anfängt zu jucken, habe ich eine Zeit lang Babyshampoo benutzt. Dabei musste ich allerdings feststellen, dass einige Hersteller sehr optimistisch sind, was die zarte Babyhaut aushält. Den Inhaltsstoffen nach müssen die Kleinen ganz schön robust sein. Teilweise ist der einzige Unterschied zur Variante für Erwachsene der Duft. Inzwischen ist unser Sohn schon quasi kein Baby mehr. Daher möchte ich mit euch meine Erkenntnisse und Erfahrung zum Thema nachhaltige Babypflege weitergeben.

Wie viel darf es denn sein?

Kein bisschen Hornhaut, selbst die ultraweichen Babynägel hinterlassen Kratzer – nichts scheint so zart zu sein, wie die Haut eines Säuglings. Verständlich, dass es da verlockend ist, die Kleinen regelmäßig von Kopf bis Fuß mit einer dicken Cremeschicht zu versehen. Ist die Babyhaut allerdings gesund, ist allzu viel Pflege nicht notwendig. Ein bis zwei Mal die Woche ohne Badezusatz in die Wanne, eincremen nach Bedarf und schon ist der Zwerg gut versorgt.

Die wenigen Produkte, die ihr verwendet, sollten auf die empfindliche Haut abgestimmt sein. Lasst euch aber von der Beschreibung mancher Hersteller nicht in die Irre führen. Denn nicht überall, wo „Baby“ draufsteht, ist auch ein sanftes Produkt drin. Ein paar entscheidende Punkte auf der Liste der Inhaltsstoffe solltet ihr im Blick behalten, wie ihr in diesem Ratgeber nachlesen könnt.

Am Anfang darf es gerne überschaubar sein

Eines kann ich euch gleich zu Beginn versprechen: Die Erstausstattung für euer Baby ist mit ganz wenigen Pflegeprodukten komplett. Und von denen solltet ihr vorsichtshalber auch lieber erstmal eine Packung kaufen. Denn auf so einen kleinen Hopser könnt ihr nicht viel schmieren :-). Wir kommen nach einem Jahr Elternschaft auf 4 1/2 Produkte für unsere nachhaltige Babypflege.

  1. Popocreme: Selbst mit Stoffwindeln und unseren schonenden, selbstgemachten Feuchttüchern sind auch wir nicht vor dem bösen roten Popo gefeit. Ein tagelanger Durchfall letzten Herbst und das ein oder andere neue Essen bei der Beikost haben unseren kleinen Mann nicht kalt gelassen. Bei uns hat sich da eine Naturkosmetik-Salbe mit Calendula bewährt. Gerade sprießen auf unserem Balkon viele kleine Ringelblumen-Sprösslinge. Wie mein erster Versuch glückt, selbst eine Salbe daraus zu machen, werde ich euch hoffentlich in ein paar Monaten berichten können. Ist der Windelbereich mal so richtig rot, dann hilft eine Salbe mit (mehr) Zink weiter. Unsere Popocreme hat davon nicht ganz so viel und hilft daher in den Fällen nicht so schnell, wie eine Zinksalbe aus der Apotheke es tut.
  2. Pflegeöl: Gerade am Anfang gab es immer mal wieder eine kleine Hautstelle bei unserem Kleinen, die ein wenig Unterstützung gebrauchen konnte. Sei es der Windelbereich, der zwar nicht wund, aber vielleicht ein wenig gereizt war, oder eine Hautfalte. Unsere Hebamme hatte uns eine kleine Probepackung Babyöl mitgegeben und das setzen wir in so einem Fall ganz gezielt ein. Da sich die Begeisterung für eine Babymassage bei unserem Wurm in Grenzen hielt, reichen uns bisher die paar Milliliter.
  3. Zahnpflege: Ich bin kein (Zahn-)Arzt oder sonst irgendwie qualifiziert euch hier zu sagen, was die richtige Zahnpflege für euer Baby ist. Dass sie, in welcher Form auch immer, aber von Anfang an sinnvoll ist, werden euch viele (Experten) sagen. Wir möchten jedenfalls, dass die Zahnpflege ebenso wie das Baden oder Essen im Alltag unseres Kindes integriert ist.
  4. Abgerundete Nagelschere: Den Punkt könnt ihr als optional ansehen, denn ich gehe mal davon aus, dass so ziemlich jeder eine Nagelschere im Haus hat. Ich hatte auch eigentlich nicht vor extra eine Babynagelschere zu kaufen. Bis ich dann das erste Mal mit meiner eigenen vor meinem Sohn saß. Da lief mir auf einmal fast der Angstschweiß den Rücken herunter. Ich konnte einfach nicht mit dem spitzen Ding die Mini-Nägel kürzen während er, wie so oft, nicht ans Stillhalten dachte (selbst im Schlaf). Also haben wir jetzt noch ein Exemplar mit abgerundeter Spitze und das hilft zumindest meinen Nerven. Denn einfacher wird das Ganze nicht, wenn der Bewegungsdrang zunimmt.

Und der halbe Tipp? Das Schweizer Taschenmesser der Babypflege ist die gute, alte Muttermilch. Ein Schuss ins Badewasser, ein bisschen auf eine raue Hautstelle, eine Schicht auf den wunden Popo – Mutter Natur hat uns Mamas da gleich mal was mitgegeben. Ich hatte zwischenzeitlich immer mal wieder Milch abgepumpt, die der kleine Mann dann aber aus der Flasche verschmähte. War gerade Badetag, dann kam sie halt ins Wasser und er hatte trotzdem was davon.

Optional in der Erstausstattung Babypflege: eine abgerundete Nagelschere

Was eine nachhaltige und sanfte Babypflege ausmacht

Grundsätzlich versuche ich, wie ihr seht, die Menge an Produkten klein zu halten. Dadurch schmeiße ich nicht lauter halb volle Packungen weg, wenn sich kein anderer Verwendungszweck mehr findet. Gleichzeitig kontrolliere ich bei meinem Kleinen sehr genau, welche Inhaltsstoffe die verschiedenen Cremes und Co. haben. Da ich mir aber leider nicht annähernd merken kann, welche Inhaltsstoffe ich vermeiden will, nutze ich die App Codecheck. Dort ist genau aufgelistet, welche Inhaltsstoffe aus welchen Gründen problematisch sind oder sein können. Leider ist die App nicht immer aktuell und bewertet manches anders, als ich es würde. Aber für einen Überblick ist sie dennoch meist zu gebrauchen. Ich greife im Endeffekt dann auf zertifizierte Naturkosmetik zurück. Da der Begriff „Naturkosmetik“ nicht gesetzlich geschützt ist, werdet ihr einige Produkte finden, die sich damit zu Unrecht schmücken. Hier gibt es aber einige Siegel, auf die ihr vertrauen könnt, wie beispielsweise NaTrue oder Ecocert.

Behaltet ihr also ein paar Sachen im Auge, habt ihr fast keinen Aufwand um eure Zwerge natürlich zu pflegen. Hat euer Baby krankheitsbedingt Probleme mit der Haut, kann selbstverständlich noch die ein oder andere Notwendigkeit dazu kommen. Da wir hier keinerlei Probleme hatten, kann ich dazu leider nichts sagen. Aber ein gesundes Baby braucht wirklich nur ganz wenige Produkte, um zufrieden zu sein. Dass das nicht nur für die Pflege gilt, darauf gehe ich in meinem Beitrag zur nachhaltigen Erstausstattung für Babys genauer ein.

Nachhaltige Babypflege tut den Kleinen und der Natur gut

  1. Keine Schadstoffe: Ihr schützt die zarte Haut und langfristig auch die Gesundheit eurer Zwerge.
  2. Keine Erdölprodukte: Bei der Herstellung von Naturkosmetik wird auf Bestandteile aus Erdöl verzichtet.
  3. Weniger Müll: Durch die Reduzierung auf wenige Produkte fällt wenig Verpackungsmüll an und die Chance, dass nur wenige oder keine ungenutzten Reste übrigbleiben, steigt.

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